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29.02.2008

Die Pegasus-Krone für Ilsabe Stülpnagel

Die PEGASUS-Krone verleihen wir an Menschen, die Horsemanship leben. Ilsabe Stülpnagel, 42, aus Brenden an der Schweizer Grenze, gibt Ihrem Pferd Wodka seit über zehn Jahren das Gnadenbrot. Heute ist er 40 Jahre alt. Sie bekam ihn das polnische Schlachtpferd, als sie selbst ein zwölfjähriges Mädchen war.

PEGASUS: Sie kennen Wodka seit über 30 Jahren. Wie begann Ihre gemeinsame Geschichte?

Ilsabe Stülpnagel: Die Pferde waren ein Erziehungsversuch meiner Mutter. Tags zuvor ist meine 14-jährige Schwester um zwei Uhr nachts nach Hause gekommen. Mutter schlug anderen Tags die Zeitung auf, rief eine Händlerin an, die Apfelschimmel anbot. Sie dachte, mit Pferden wären ihre drei Mädchen ausgelastet und kämen auf keine dummen Gedanken.

PEGASUS: Hatte ihre Familie Ahnung von Pferden?

Ilsabe Stülpnagel: Meine Mutter ist mit Pferden aufgewachsen, ihr Vater war Landarzt, ist noch mit der Pferdekutsche zu den Patienten gefahren. Mein Großvater hatte damals noch ein Pferd, die  Stute "Ananas". Als Kinder haben wir sie am Schopf zum Zaun geführt, sind draufgesprungen und über die Koppel galoppiert, bis wir runtergeflogen sind. Wir nahmen aber auch gesitteten Reitunterricht.
 
 
PEGASUS: Bei der Händlerin fanden sie Wodka.

Ilsabe Stülpnagel: Ja, Wodka und Whiskey, ein Passgespann, zehn und zwölf Jahre alt. Den Namen bekamen sie, weil sie ja die Schnappsidee meiner Mutter waren. Beide waren total abgemagert, und garantiert vollgepumpt mit Medikamenten.
 
 
PEGASUS: Weshalb glauben Sie das?
 
Ilsabe Stülpnagel: Sobald sie bei uns im Stall standen, waren sie absolut nicht einfach im Umgang. Whiskey war wohl vom Zirkus, der liebte Musik und Halligalli und stand auf zwei Beinen, wenn man nur die Hand leicht hob. Wodka war so futterneidisch, dass er eine Freundin böse verletzte: Er fraß, sie lief an seiner Box vorbei, daraufhin biss er über die Abtrennung und zog sie am Hals in die Box hinein.

PEGASUS: Hui. Und was mögen Sie so an Wodka?

Ilsabe Stülpnagel: Er war einfach mein Pferd. Ich hatte nie ein Problem mit ihm. Er hat mich 3000 Mal mindestens abgeworfen, denn sobald er Grün sah, bockte er, um Fressen zu können. Doch bei Gefahrensituationen  konnte ich mich auf ihn verlassen: Kam ein LKW und alle Pferde sponnen, blieb Wodka gelassen. Ich bin auf ihm stehend durch den Wald galoppiert, wir haben jeglichen Blödsinn miteinander gemacht.
 
PEGASUS: Ist der Plan Ihrer Mutter aufgegangen?

Ilsabe Stülpnagel: Sie dachte, wir machen das drei, vier Jahre, dann folgen andere Interessen. Aber da hat sie sich vertan: Heute habe ich eine Reitschule mit 20 Pferden, meine große Schwester hat fünf Pferde, die kleine drei.
 
PEGASUS: Wie lebt Wodka heute?

Ilsabe Stülpnagel: Er steht in einer Fensterbox, der Offenstall der anderen Pferde ist zu stressig für ihn. Morgens bekommt er seine Heucobs, Silo, Müsli und Gerste, das kann er alles gut fressen. Um zehn Uhr geht er raus, mit seinem Kumpel, einem Haflinger mit Herzproblemen. Wichtig ist, dass die Weide eben ist: Wodka läuft unsicher. Whiskey ist vor drei Jahren gestorben. Zwei Mal war es auch knapp für Wodka, er hatte mit 30 Jahren einen Kieferbruch und mit 33 einen eitrigen Zahn. Doch alles ist wieder heile. Er hat mir lange Zeit treu gedient, dann ist es eine Selbstverständlichkeit, ihn zu halten, so lange es geht.

JETZT IM HANDEL:
PEGASUS Nr. 09/2008

 

NÄCHSTES HEFT:
ab 17.09.2008 im Handel

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