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Wanderritte

fs-Spur: 2000 Kilometer Abenteuer

Gebirge oder Meeresstrand, Großstadt oder Stoppelfeld -
seit jeher genießen die Wanderreiter der fs-Spur das besondere Erlebnis.


von Robert Claus
 
 
Vier Tage lang dauerte die erste fs-Spur 1996: durch die Eifel von Blankenheim zum Windrosen-Fest nach Kröv. Der Ritt war noch geprägt von Übernachtungen im Schlafsack in der Stallgasse, in Heuschobern oder auf der Weide bei den Pferden. Das Abendessen wurde auf einer Tischtennisplatte serviert, der Weg zur Toilette führte am Misthaufen vorbei, und die Paddocks für die Pferde bauten wir jeden Tag selbst auf.
 

Für mich und Sabine Schmitt, die mit mir die ersten drei Ritte organisierte, war es der Anfang von geführten Wanderritten mit fremden Personen und Pferden in unbekannter Landschaft. Wir waren uns von Beginn an einig, dass die fs-Spur ein Abenteuer bleiben und sich von anderen kommerziellen Ritten in Deutschland abheben muss.
 

Jeder Ritt hatte seine eigenen Gesetze, Höhepunkte und Erlebnisse.
Bei den ersten drei fs-Spuren nach Kröv, Molsberg und zum fs-Jubiläumsfest nach Reken wurde noch viel improvisiert und experimentiert. Die Trossfahrer hatten keine Pferdeerfahrung und wir waren mit Heulagern zufrieden.
Wir absolvierten die Strecke und verkrochen uns abends in unsere Schlafsäcke. Selten interessierten uns Sehenswürdigkeiten am Rande der Strecke.
Erst mit der Spur von Berlin nach Cottbus änderte sich dies. Unvergessen ist die Demonstration fürs Reitrecht am Brandenburger Tor in Zusammenarbeit mit der VFD-Berlin/Brandenburg. Es wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der im Sommer 2004 zu einem reiterfreundlichen Waldgesetz führte.
Wir genossen den Spreewald und die Gastfreundlichkeit der Menschen am Rande der Strecke. Höhepunkt und Abschluss der ersten vier Spuren waren legendäre Feiern mit Lagerfeuerromantik bis zum Frühstück am nächsten Morgen.
 

Im Jahr 2000 ritten wir von Contwig durch den Pfälzer Wald und Nordelsass nach Offenburg zur Eurocheval. Es war mit 20 Reiter/innen die größte Gruppe aller Spuren. Der Ritt lebte von Gegensätzlichkeiten auf der Strecke.
Zuerst die schroffen Hänge des Pfälzer Waldes, dann die flachen Agrarflächen in Frankreich und zum Schluss die kleinen Ortschaften im Badischen mit hübschen Fachwerkhäusern.
Allerdings ging das Wanderreitfeeling im Messetrubel völlig unter, und wir waren alle froh, als wir sonntags den Heimweg antreten konnten.
Viel Spaß hatten wir ein Jahr später bei der Tour durch die Frankenhöhe. Es wurde viel gelacht, jeden Abend gefeiert, und die Strecken waren immer überschaubar. In Erinnerung bleibt die Weinprobe auf Schloss Lerchenberg, als uns Graf Lerchenberg persönlich im Morgengrauen durch seine Ländereien zum Quartier fuhr....
 

Eine ganz besondere Anziehungskraft für Reiter/innen hat offenbar das Meer, so gab es 2002 beim Ritt durch Mecklenburg-Vorpommern an der Ostsee entlang zum ersten Mal zwei fs-Spuren. Höhepunkt war das Bad mit den Pferden im Meer.
 

Wir waren in alten Herrenhäusern untergebracht und erlebten Ostdeutschland in allen Facetten. Leider waren wir am Ende der Spur Teil des riesigen Breitensportturniers in Bad Segeberg, und es kam keine rechte Wanderreitstimmung in der Gruppe auf.
Dies änderte sich ein Jahr später wieder. Die fs-Spur vom Vogelsberg nach Detmold war eine anspruchsvolle Tour. Wir mussten Strecken von bis zu 50 Kilometern bewältigen, da Stationen mit einer Übernachtungs-Kapazität für 15 Reiter nicht zu bekommen waren.
 

Wir waren acht bis zehn Stunden unterwegs, an einem Tag wurde um 22 Uhr der Ritt abgebrochen (ein Novum) und die Pferde verladen. Beim stilvollen Wanderreittreffen der VFD Nordrhein-Westfalen im Freilichtmuseum Detmold waren die Strapazen schnell vergessen. Im Schatten alter Windmühlen gab es endlich wieder Lagerfeuerromantik mit Gitarrenmusik und den schönen Gesprächen unter Wanderreiter/innen.
 

Der Ritt 2004 im Elsass zeigte, welche Anforderungen eine Gruppe von 15 Pferden bewältigen kann. Schmale enge Pfade, steile Hänge, Treppenstufen, das Überwinden von dicken Stämmen in einem Steilhang und Kletterpartien um Felsformationen herum. Gute Quartiere und die berühmte elsässische Küche ließen die Spur zu einem besonderen Erlebnis werden.
Zehn mal fs-Spur - diese Tour ist immer wieder der Höhepunkt meiner Wanderreitaktivitäten. Eine fremde Gruppe in eine neue Region zu führen, auf unbekannten Wegen, mit unbekannten Quartieren, anderen Reitgesetzen - das ist große Herausforderung für mich und mein Team (Sabine Hafner und Jenny Dürselen).
 

Geändert hat sich im Vergleich zu den ersten Spuren das Niveau der Quartiere - ebenso wie der Anspruch der Mitreiter/innen. Standard sind heute Zwei- und Mehrbettzimmer mit Dusche, WC und Frühstück.
Die Pferde übernachten in geräumigen Boxen, Laufställen oder Weidepaddocks.
Neben dem Reiten durch die Natur stehen auf Wunsch der Teilnehmer/innen seit einigen Jahren zunehmend das Erkunden kultureller Besonderheiten, von Sehenswürdigkeiten oder einheimischer Küche im Vordergrund.
Tradition hingegen ist das Fest am Ende der Tour. Ein Fest mit Gesprächen und Liedern am Lagerfeuer. Diese langen Nächte, in denen die Abenteuer der vergangenen Tage in uns nachklingen, in denen wir langsam zur Ruhe kommen und uns mit Pferde-Freunden austauschen, die gehören zur fs-Spur dazu.
Und noch etwas wird immer eng mit diesem Ritt der freizeit im sattel verbunden sein: fs-Spur-Reiter/innen sind Botschafter für verantwortungsbewusstes, pferdefreundliches Reiten in der Natur.
 
  • Die fs-Spuren der letzten Jahre im Kurzüberblick:
  • 2006: "Es geht ans Meer! Die Ostseeküste zwischen Stralsund und der Insel Usedom"
  • 2005: "In der Eifel - Burgen, Maare und Vulkane".
  • 2004: "Im Elsass unterwegs - Rund um Saverne"
  • 2003: "Zum Freilichtmuseum nach Detmold - über Herbstein, Alsfeld, Frankenberg, Korbach, Diemelstadt, Willebadessen, Bad Driburg"
  • 2002: "Unterwegs in Mecklenburg-Vorpommern"
  • 2001: "Durch den Naturpark Frankehöhe in Bayern zum internationalen Wanderreitertreffen"
  • 2000: "Von Contwig nach Offenburg zur EuroCheval"



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