Dass es in der Reiterszene immer wieder zu gefährlichen Stürzen mit Todesfolge kommt, ist leider eine traurige Tatsache. Weshalb das so ist, erklärte kürzlich ein bekannter Springreiter den Fernsehreportern: Schuld an der hohen Unfallquote seien die Freizeitreiter, die mit ihren Pferden täglich ins Gelände gingen und dadurch viel zu locker und unbekümmert im Sattel sässen. Fliege dann irgendwo ein Vögelchen auf oder eine Maus husche durchs Dickicht, käme vom Pferd naturgemäss eine starke Reaktion, woraufhin ein solch locker sitzender Reiter eben zu Fall käme. Eine schöne Illusion – die Wirklichkeit aber sieht anders aus. Denn während Stürze in jenen Ställen, wo stramme Zügel und klemmende Knie angesagt sind, fast zur Tagesordnung gehören, sind Stürze bei den «locker» sitzenden Westernreitern beispielsweise höchst selten. Vom Pferd fallen kann jeder mal, egal auf welchem Pferd er sitzt und in welcher Reitweise er reitet. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie damit umgegangen wird. «Du musst gleich wieder in den Sattel, sonst merkt das Pferd, dass du Angst hast!» Kennen Sie diesen Satz vielleicht noch aus früheren Reitschulzeiten, wo völlig verängstigte und verkrampfte Kinder nach einem Sturz gleich wieder in den Sattel gehoben wurden, um «ihre Angst zu überwinden»? In vielen Ställen gehören Stürze leider zur Tagesordnung und keiner macht sich Gedanken darüber, wieso das so ist. Dass ein gut ausgebildetes und artgerecht gehaltenes Pferd weniger scheut als sein angespannter Artgenosse und dadurch weniger Stürze provoziert, scheint in vielen Ställen niemanden zu interessieren. Auch dass ein locker sitzender Reiter das Gleichgewicht besser halten kann als ein verspannter, findet keine Beachtung. Klar, wo reiten gelehrt wird, da wird es immer stürzende Reiter geben. Aber

zur Tagesordnung dürfen sie nie gehören.

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