In manchen Kreisen ist es geradezu «in», ein «schwieriges» Pferd zu haben. Der Hengst, der sich einer fremden Reitergruppe schon von weitem mit herrischem Wiehern und Imponiergehabe ankündigt, die Stute, die bei jeder vermeintlichen Gefahr ins Tänzeln kommt, oder der Wallach, der aus Prinzip in einer Gruppe nur vorne gehen kann – sie alle machen schliesslich mehr Eindruck als das unscheinbare Pferdchen, das jederzeit brav allein oder in der Gruppe läuft, sich zwar auch ab und zu fürchtet, aber dann doch auf seinen Reiter vertraut und die Gefahr mit skeptischen Seitenblicken, aber ruhig meistert und sich auch im Galopp in der Gruppe leicht regulieren lässt. Sätze wie «Mit meinem Pferd geht das halt nicht!» kommen Problempferde-Besitzern oft spielend leicht über die Lippen. Schliesslich ist es immer einfacher, den Problemen aus dem Weg zu gehen, als gegen sie anzukämpfen. Das Pferd lässt sich nicht anbinden? Kein Problem, dann wird es halt nur noch in der Box geputzt. Aus dem Verladen wird ein mehrstündiges Szenario? Macht auch nichts, Turniere und Kurse besuchen liegt mir sowieso nicht. Das Pferd ist einfach nicht ins Wasser zu kriegen? Dann wird die schöne Reitstrecke mit der Bachdurchquerung halt aus dem Reitwegprogramm gestrichen. Szenen wie diese klingen vielleicht übertrieben – bei vielen Reitern aber stehen sie an der Tagesordnung. Es ist sicherlich nicht einfach, fehlerhaftes Verhalten beim Pferd zu korrigieren, erst recht nicht, wenn der Reiter schon jahrelang Kompromisse geschlossen hat. Aber es lohnt sich. Geben wir den Pferden eine Chance, ganz «unproblematische» Pferde zu sein. Auf den zweiten Blick sind sie es, die wirklich beeindrucken.

Brenda Zuckschwerdt Zapiorkowski Napor

Leitung Redaktion

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