Nur 2000,– habe ich für ihn bezahlt! Ein richtiges Schnäppchen, findest Du nicht? Stolz zeigte mir eine Freundin vor Monaten ihren Neuerwerb, einen etwa fünfjährigen Kleinpferdewallach, bei dessen Entstehung vermutlich ein Haflinger ebenso beteiligt war wie ein Warmblut unbekannter Rasse. Zwar hat er keine Papiere, «aber auf denen kann man ja ohnehin nicht ». Im Rücken ist er etwas lang, aber dafür hat er eine traumhafte Mähne. Auch dass der Wallach in den Wendungen manchmal so komisch einknickt, hat meine Freundin nicht verunsichert. – «Sind die Augen nicht wunderschön?» Alles in allem doch ganz klar der Beweis, dass gute nicht teuer sein müssen.
Vor kurzem habe ich besagte Freundin wiedergetroffen. Die erste Begeisterung über ihr neues ist in Wut umgeschlagen; Wut über den Vorbesitzer, Wut aber auch über sich selbst, dass sie nicht besser hingeschaut hat. Denn inzwischen hat sich der Wallach nicht nur beim Satteln («Er war schon gesattelt, als ich kam.») und Reiten («Ich hätte ihn doch noch ein zweites Mal probereiten sollen.») als nicht so brav wie erwartet entpuppt, sondern brachte nebst Hautpilz auch jede Menge Würmer mit – bei einem Verkaufspreis von 2000,– liegt Entwurmen eben nicht mehr drin. Und nachdem der Wallach weiterhin in den Wendungen so komisch einknickte, kam dann auch der Tierarzt auf den Hof. «Hufrollenentzündung» lautete die Diagnose, «nur noch bedingt einsetzbar». Eine niederschmetternde Diagnose für die neue Besitzerin, die ihr neues Pferd inzwischen innig liebgewonnen hat. Trauriges Fazit der Geschichte: Gute Pferde sind halt doch (meistens) teuer.

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