Reiter und Pferd

Eigentlich müsste die Pferdewelt so schön sein. Schliesslich wollen sie alle das Gleiche

Eigentlich müsste die Pferdewelt so schön sein. Schliesslich wollen sie alle das Gleiche, die Ausbilder sämtlicher Stilrichtungen: ein entspanntes, freudig mitarbeitendes , ein Pferd, das nicht durch Gewalt, sondern mit viel Geduld und Liebe geschult wird, ein Pferd, das sich in allen Gangarten mit feinsten Hilfen lässt. Und selbstverständlich würde niemand von ihnen je versuchen, das mit anderen Mitteln als mit Liebe und Geduld zu erreichen. Soviel zum Wunschtraum. Die sieht anders aus. Kennen Sie das: Sie hören einem Ausbilder zu, wie er über sein System spricht – von feinsten Reiterhilfen und einem entspannten, weil gewaltfrei erzogenen Pferd –, und Sie sehen nur und in den Pferdeaugen und einen mehr mit Hebelkraft als Fingerspitzengefühl hinter die Senkrechte gezogenen Pferdekopf? Und spätestens wenn die anderen Zuschauer bewundernd nicken, denken Sie, Sie sind im falschen Film. Das Phänomen ist bekannt: Zwischen dem, was jemand sagt, und dem, was er tut, ist manchmal ein himmelweiter Unterschied. Das zu erkennen, haben viele Reiter ihre liebe Mühe. Zu berühmt sind die Namen der Reiter, als dass man auf die Idee käme, an ihrem Können zu zweifeln.

Mehr kritisches Hinschauen – dazu versuchen wir unsere Leserinnen und Leser mit jedem Heft zu ermutigen, sei es beim Reitturnier im Nachbardorf oder bei der Pferdegala mit namhaften Akteuren. Immer mehr Leserbriefe zeigen uns, dass uns das gelingt. Und das ist für uns jedes Mal ein neuer Aufsteller.

Related posts

Related Posts